Destruktive Gruppen

Unter destruktiven Gruppen verstehen wir Gemeinschaften, die die persönliche Entwicklung ihrer Mitglieder als Bedrohung empfinden. Während in authentischer Gemeinschaft die Unterschiede der Menschen, die ihr angehören, als Bereicherung empfunden wird, droht Individualität in destruktiven Gemeinschaften das Zusammengehörigkeitsgefühl in Frage zu stellen. Es entstehen rigide soziale Rollen, die das einzelne Mitglied zu erfüllen hat. Ausbrüche aus diesen Rollen werden von der destruktiven Gruppe als Bedrohung oder Verrat empfunden. Destruktive Gruppen weisen in unterschiedlichen Variationen und Intensitäten diese Merkmale auf:

  • strikte Zuweisung von sozialen Rollen, die die Mitglieder innerhalb und außerhalb der Gruppe zu erfüllen haben;
  • die destruktive Gruppe zeichnet sich durch starke Hierarchien aus, an deren Spitze meist (charismatische) Entscheider*innen den, den Ton angeben;
  • in der Gruppe herrscht ein strenges System aus täglichen Ritualen und Regeln, die unbedingt einzuhalten sind;
  • die Kommunikation und das Handeln in der Gruppe sind geprägt von einem tiefgreifenden Mangel an Spontanität, Humor und Elan im Miteinander sowie einer regelrechten Furcht vor Veränderungen.
  • Ausbrüche aus den sozialen (Gruppen)Rollen, oft auch nur zaghafte Kontakte in die Außenwelt, werden als Bedrohung und Verrat empfunden;
  • Es herrschen Gruppenwahrheiten, die nicht hinterfragbar sind; meist sind es exklusive Wahrheiten, über die in Konkurrenz zur Außenwelt nur die Gruppe verfügt;
  • es herrscht großes Misstrauen gegen alle, die nicht der Gruppe angehören;
  • die Außenwelt wird als unwissend („ungläubig“) oder feindlich beschrieben; die Lösung aller (individuellen und gesellschaftlichen) Probleme wird nur dem eigenen Glaubenssystem („die Wahrheit“) zugetraut;
  • es herrscht eine regelrechte Opfermythologie nach innen wie außen. Die Gruppe sieht sich als (permanentes) Opfer der Außenwelt; das Ich geht im Wir der Gruppe auf, zum Wohl der Gruppe muss der Einzelne jegliches Opfer bringen.

Destruktiv sind solche Gruppen insofern, als sie die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Mitglieder verhindern. Die destruktive Gruppe zerstört die Fähigkeit aller Mitglieder, ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben in- und außerhalb der Gruppe zu führen.

Die Geschichten unserer Klient*innen

Carolas Geschichte

Meine Kindheit war geprägt von Geborgenheit und Liebe. Meine Eltern sind nach wie vor in einer glücklichen Beziehung und sie konnten sich in ihrem Leben verwirklichen. Der Glaube spielte in unserem Leben keine besondere Rolle. Als Schülerin war ich eher angepasst, aber in der Pubertät begann ich, mir existentielle Fragen über das Leben zu stellen….

Olivers Geschichte

Ich bin in der DDR groß geworden, meine Eltern waren zunächst dem System neutral gegenüber, haben dann später verborgen mit den Bürgerrechtlern sympathisiert, waren dort schließlich auch aktiv tätig, aber alles im Verborgenen, im Geheimen. Später sind meine Eltern durch einen unglücklichen Umstand ins Visier der Stasi geraten und dann auch ins Gefängnis gekommen. Das…